Aktuelle Situation im Beerenobst

Ulrich Herm lieferte beim Tunneltag einen Bericht über die aktuelle Situation beim Beerenobst in NRW</br> Foto: Kühlwetter

Über den Entwicklungsstand im Beerenobst nach den Frostnächten in KW 16 berichteten auf dem Auweiler Tunneltag Ludger Linnemannstöns und Ulrich Herm von der LWK NRW sowie Kollegen aus Süd- und Norddeutschland.

Auf dem Versuchsgelände in Köln-Auweiler, wo Ende April zum vierten Mal der Tunneltag stattfand, sind laut Linnemannstöns Frostschäden unter Doppelabdeckungen und teilweise auch in den Wandertunneln zu beklagen. Außerdem sind einzelne Früchte von Stachel- und Johannisbeeren und der komplette Neuaustrieb der Kiwibeeren erfroren. Zum Tunneltag waren die ersten Früchte aus dem Wandertunnel erntereif – etwas später als üblich. Insgesamt nehme der geschützte Anbau von Beeren laut Linnemannstöns stetig zu. Bis jetzt wird auf ca. 1 500-1 800 ha – vor allem im Wandertunnel – geschützt angebaut.

Wie Ulrich Herm, Beerenobstberater der LWK NRW, berichtete, hat man im Rheinland Ende April begonnen, `Flair´ und `Clery´ im Wandertunnel zu pflücken. Erdbeeren aus Glashäusern sind seit Ostern verfügbar. Zu leichten Frostschäden ist es dort in Tunneln gekommen, wo nicht abgedeckt wurde. Etwas größere Schäden sind unter Doppelabdeckungen entstanden – dort rechnen die Profis der LWK mit 50-70 % Ausfall in den ganz frühen Blüten. Laut Herm lag hier das Problem am Festkleben der ersten großen Blüten am Vlies oder der Folie, da die Bestände schon weit entwickelt waren. Diese Blüten sind komplett erfroren. Auch mit weiteren Schäden an den Pflanzen bzw. dem Laub ist durch das Abdecken selbst zu rechnen.

Aus Süddeutschland – genauer gesagt vom Obstgroßmarkt Mittelbaden in Oberkirch – war Markus Litterst nach Köln angereist. Er berichtete, dass bei Erdbeeren die Entwicklung der Bestände durch die Witterung zwar leicht verzögert sei, allerdings Frostschäden nur in sehr geringem Ausmaß zu verzeichnen seien. Tunnelerdbeeren werden in Mittelbaden bereits seit Ostern gepflückt, Ab Anfang Mai rechnet man hier mit steigenden Mengen. Aus Doppelabdeckungen wird voraussichtlich ab Anfang Mai geerntet werden können.

Bisher nur in geheizten Gewächshäusern können Erdbeeren in Norddeutschland geerntet werden. Albert Nordmann von der Obstversuchsstation Langförden rechnet ab der zweiten Maiwoche mit Ware aus Tunneln. Frostschäden sind in Norddeutschland v.a. in der Region Weser-Ems zu beklagen. Dort sind vor allem verfrühte Anlagen betroffen, in Tunneln konnten Schäden durch intensive Bemühungen der Anbauer vermieden werden. Die flach (einfach) abgedeckten Kulturen, die in der Region die Masse ausmachen, waren teilweise in Vollblüte, als der Nachfrost kam. Dort sind alle offenen Blüten erfroren. Bei Einfachabdeckungen auf leichten Sandböden sind bis zu 90 % der Blüten erfroren. Die Haupternte wird in Norddeutschland für die erste oder zweite Juniwoche erwartet.

Marion Valenta